Schräge Musik und viele Klassiker
28.05.2026 - Lauterbacher Anzeiger
Schräge Musik und viele Klassiker
Konzert des A-cappella-Quartetts „LaLeLu“ beschließt die Lauterbacher Pfingstmusiktage
Lauterbach – „LaLeLu“ heißt das in Hamburg beheimatete A-cappella-Quartett, das zum Abschluss der 52. Saison der Lauterbacher Pfingstmusiktage in die Adolf-Spieß-Halle kam – und es war definitiv nicht nur der Mann im Mond, welcher dabei zuschaute.
Vielmehr platzte die gute Stube der Vogelsberger Kreisstadt an diesem Abend geradezu aus allen Nähten. Und die Zuschauerinnen und Zuschauer bekamen eine Show zu sehen, die weit mehr als nur Musik beinhaltete, sondern vor allem auch vielschichtigen Humor.
Das Quartett brachte ein „Best of“ aus den nicht weniger als 17 abendfüllenden Programmen aus den vergangenen 30 Jahren, denn momentan sind die vier auf ihrer Jubiläumstour. Begonnen hatte alles anno 1995 mit dem Auftritt von vier Musik-Lehramtsstudenten auf einer Semesterparty. Davon sind Tobias Hanf und Jan Melzer (Bass/Tenor) immer noch an Bord, verstärkt durch Frank Valet (Bariton) und Sanna Nyman (Mezzosopran).
„Da dreht man sich einmal um, und schon ist alles vorbei“, meinte Fördervereinsvorsitzender Tim Brod zu diesem musik‑kabarettistischen Schlussakkord der diesjährigen Pfingstmusiktage. Ohne eine Person würde es keine Pfingstmusiktage geben: Claudia Regel, dankte er ausdrücklich der künstlerischen Leiterin der Reihe. Sie besitzt alljährlich sehr viel Gespür für die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler bei den Pfingstmusiktagen.
„Bleib, bitte!“, hatte er eine kurze, prägnante Bitte an Claudia Regel.
Mit ihren reichlich vorhandenen humorvollen Charme bei scharfem Verstand und trotz des schon erreichten Durchschnittsalters von 50 des vier Beginnern an, ihr Publikum mitzunehmen. Nicht zuletzt dadurch, dass sie auch ein klein wenig Regionalkolorit in ihre Show mit aufnahmen.
So referierte Tobias Hanf glaubhaft, dass seine Tante aus Büdingen stamme und die Gruppe auch den Hoherodskopf besucht und dort ein Lauterbacher Pils getrunken habe. Und beim Reinkommen nach Lauterbach seien sie in einen Blitzrod ganz passend auch geblitzt worden.
Einfach nur ein „normales“ Konzertprogramm bei „LaLeLu“ weit gefehlt. Vielmehr lieferten sie reichlich schräge Musik ab und interpretierten alte Hits und Klassiker auf ihre eigene und vor allem nicht erste Weise. So gingen sie auf der Bühne mit einer fiktiven Radioreportage auf „Sendung“, um die amerikanische Jazz- und Swing-Ikone Fletcher Henderson und seinen Werdegang zu würdigen – mit der Per Hand und Mund simulierten und immer verdächtig ähnlichen Trompetentönen.
Da Sanna Nyman, die Sängerin des Quartetts (und nach den Worten von Tobias Hanf „die Sängerin, die es bis jetzt am längsten bei uns ausgehalten hat“), aus Finnland stammt, gehörte auch ein „finnischer Saunatango“ zum Programm, selbstverständlich mit Gesang auf Finnisch.
Ganz minimalistisch, nämlich mit Reisekoffern als Percussion, hielt „LaLeLu“ ein Rock-’n’-Roll-Konzert auf dem Bahnsteig ab. Ohne ein Wort kam auch ihr aus der Zeile „Gib mir mein Herz zurück“ schon mal „Gib mir mein Sex zurück“. Ein Double von Max Raabe sang über das wilde Liebesleben von Tieren.
Innerhalb von 30 Jahren haben „LaLeLu“ auch schon so manchen Prominenten aus Politik und Gesellschaft imitiert. So parodierte das Quartett unter anderem Altkanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder oder den früheren Fußball-Bundestrainer Jogi Löw und den bekannten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.
Im Anschluss an ein buntes Potpourri von alten Hits konnte das Finale passender gar nicht sein, als die vier schließlich ihre Version des bekannten Leonard-Cohen-Songs „La-le-lu-jah“ anstimmten.
Als in allem eine tolle Show, die einen würdigen Saisonabschluss für die Pfingstmusiktage darstellte.
Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "Schräge Musik und viele Klassiker«", 28.05.2026