Mit Schwung und viel Gefühl
27.05.2026 - Lauterbacher Anzeiger
Mit Schwung und viel Gefühl
Pfingstmusiktage: Trio Nidas begeistert im Hohhaus mit Tango, Klezmer und Gypsy Jazz
Svenja Lippert am Sonntagnachmittag ihrem Publikum im Rokokosaal des Lauterbacher Hohhauses boten: Bravourfe, rhythmisches Klatschen und am Ende des gut zweistündigen Hörgenusses sogar stehende Ovationen belohnten die Mitglieder des Trio Nidas, dessen Name sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der drei Protagonisten bildet, wie sie zu Beginn verrieten.
Mit ihren Instrumenten – Gitarre, Klarinette und Violine – verzauberten sie die Besucherinnen und Besucher mit mitreißenden Klängen, großer Spielfreude und faszinierender Virtuosität. „Café 1930“ hatten sie ihr Programm betitelt, mit dem sie zwischen Tango, Klezmer und Gypsy-Jazz Klangwelten schufen, in denen die Grenzen zwischen den Instrumenten fließend wurden und der Fantasie keine Grenzen gesetzt waren. Indem die Gitarre mal zur Trommel umfunktioniert wurde oder die Violine zum Zupfinstrument.
Mal fühlte man sich in schummrige argentinische Spelunken versetzt, wo man Paaren beim Tangotanzen zuschauen konnte, mal auf rumänische Volksfeste oder auch in den Konzertsaal.
Die drei Musiker erwiesen sich als bestens eingespieltes Team, das abwechselnd die Zuhörerinnen und Zuhörer mit kurzweiligen Moderationen auf spannende musikalische Reisen mitnahm und ihnen dabei ausgewählten Komponisten und deren Stücke näherbrachte.
Niels Rathje mit seiner Gitarre, David Arbeiter mit seiner Klarinette und Svenja Lippert mit ihrer Geige stellten den Tango und seinen Weg von den Bordellen in die Konzertsäle vor. Mal wild und expressiv wie beim „Tango en skai“ von Roland Dyens oder melancholisch und zart wie beim Stück „Petite Fleur“ von Sidney Bechet.
Den Tanz, den Niels Rathje dann als „vertikalen Ausdruck für horizontales Verlangen“ beschrieb.
Mit einem „Appetithäppchen“, „Minor Swing“ des legendären Django Reinhardt, des Begründers des „Gypsy Jazz“, stimmte das Trio seine Zuhörer auf den zweiten Teil des Abends ein. Indem weitere Stücke, „Dark Eyes“ und „Nuages“ des begnadeten französischen Musikers folgten, der nach einem Unfall mit nur drei Fingern an der linken Hand neue Akkordmuster geschaffen und mit seiner mitreißenden Musik Weltruhm erlangt hatte.
Virtuos und schwungvoll begeisterte die drei mit den „Rumänischen Volkstänzen“, zu denen sich der Komponist Béla Bartók einst inspirieren ließ. Ebenso in der Folge mit dem Klezmer-Stück Béla Kovács „Shalom Alekhem, Rov Feidman!“ und den sehr gefühl- und temperamentvollen Stücken „Indigo“ und „Juli“ des deutschen Klarinettisten David Orlowsky.
Dass das Trio, das aus Lübeck zu den Lauterbacher Pfingstmusiktagen angereist war, nicht ohne Zugabe entlassen wurde, versteht sich von selbst. Strahlend dankte Niels Rathje für den „sehr warmen Empfang“, was das Publikum ob der Doppeldeutigkeit bis auf den letzten Platz besetzten, hochsommerlich warmen Saal mit herzlichem Lachen quittierte.
Einen extra Applaus gab es auch für Svenja Lippert, die am Konzerttag Geburtstag hatte.
Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "Rückblick auf »rauschendes Fest«", 27.05.2026