Majestätische Klangfülle
Festliches Konzert mit Kammerphilharmonie Mannheim und Chor der Pfingstmusiktage
27.05.2026 - Lauterbacher Anzeiger
Majestätische Klangfülle
Festliches Konzert mit Kammerphilharmonie Mannheim und Chor der Pfingstmusiktage
Lauterbach – Wenn am Abend des Pfingstsonntags in der Lauterbacher Stadtkirche fast 90 Sängerinnen und Sänger buchstäblich den letzten Winkel des Chorraums ausfüllen und davor ein hochwertiges Orchester zu spielen beginnt, dann ist der traditionelle Höhepunkt der Lauterbacher Pfingstmusiktage gekommen. Zur 52. Auflage der regionalen Konzertreihe standen beim festlichen Pfingstkonzert Märchen, Psalmen und Gloria auf dem Programm.
Unter Leitung von Susanne Rohn, als ausgewiesene Kirchenmusikerin Lehrbeauftragte an der Staatlichen Musikhochschule Frankfurt (HfMDK) und Gastdirigentin dieses Abends, ertönten zuerst die „Chichester Psalms“ von Leonard Bernstein. Das musikalische US-Universalgenie hatte dabei den Sängerinnen und Sängern vom Chor der Lauterbacher Pfingstmusiktage eine Herausforderung beschert.
Denn die vom Komponisten selbst zusammengestellten Psalmenverse sollen stets ausdrücklich auf Hebräisch gesungen werden. Dem turbulenten ersten Satz folgte ein ruhiger zweiter, und im dritten Satz endete alles mit einem Weckruf im Pianissimo.
Ein musikalisches Märchen bot die Orchester der Kammerphilharmonie Mannheim die Gelegenheit, sich in Szene zu setzen. Im heiteren, humorvollen Erzählduktus, bisweilen auch von ernstem Momenten durchzogen, erzählt der tschechische Komponisten Václav Trojan auf klassische Märchenmotive wie die vom Prinzen, der die Prinzessin vor dem furchterregenden Drachen rettet, nicht. In den sieben Sätzen konnte sich auch Akkordeon-Solistin Ines Ringe entfalten.
Es gibt in der Musikgeschichte Fälle, in denen ein Komponist sein eigenes Werk nicht so leiden kann. „Aus Hoffnung Zeit“, die Norwegens Komponist Edvard Grieg 1884 zum 200. Geburtstag des von ihm verehrten Dichters Ludvig Holberg verfasste, fällt in diese Kategorie. Die Suite war ihm am Ende zu altmodisch. Für die Zuhörerinnen und Zuhörer in der voll besetzten Lauterbacher Stadtkirche stellte sich der Charme dieser Komposition aber gerade durch die Verbindung einer barocken Form mit der emotionalen, romantischen Klangsprache Griegs ein.
Melancholie, Hoffnung und Trost in einer schlichten und doch ausdrucksstarken Tonsprache verbinden sich in den „Biblischen Liedern“ von Antonín Dvořák. Aus dem Zyklus wurde etwas am meisten gespielten tschechischen Komponisten, er sei die auf Tschechisch geschriebenen „Biblischen Lieder“ auch selbst als Höhepunkt seines Schaffens an, wurde jeweils eines vom Organisten Jonathan Kreuder bzw. von Sopran-Solistin Antonia Bouvre dargebracht.
Zum Solokünstler-Sextett zählt den außerdem Nivedh Immanuel Abhijith (Knaben-Solo), Hanna Noack (Mezzosopran), Sonia Karl (Alt) und Jonathan von Gützeit (Bass).
In majestätischer Klangfülle endete das Konzert mit der „Gloria“ von John Rutter. Im typisch englischen Stil einer Folge von prachtvoll orchestrierten Mittelteilen die Musik, einem Feuerwerk gleich, die für den britischen Komponisten typische Klangfülle Bahn. Solch erhabenen an der Seele berührt, belohnte das Publikum die Darbietung mit lang anhaltendem Applaus.
Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "Majestätische Klangfülle", 27.05.2026