So schön kann „Liebesleid“ klingen

Sonntagsabendkonzert der 52. Lauterbacher Pfingstmusiktage mit dem Calmus-Ensemble

Lauterbacher Anzeiger: "So schön kann „Liebesleid“ klingen" - 26.05.2026
Von der unerfüllten Liebe hatte das „Calmus Ensemble“ bei den diesjährigen Lauterbacher Pfingstmusiktagen so einiges im Repertoire. © Carsten Eigner

26.05.2026 - Lauterbacher Anzeiger

So schön kann „Liebesleid“ klingen

Sonntagsabendkonzert der 52. Lauterbacher Pfingstmusiktage mit dem Calmus-Ensemble

Lauterbach – „Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling.“ Mit diesen Zeilen sang sich 1964 einst die schwedische Schlagersängerin Siw Malmkvist auf Platz 1 in der Hitliste der deutschen Charts. Doch Musik kann tatsächlich gegen Liebeskummer helfen, wie 2017 die beiden japanischen Forschenden Kazuma Mori und Makoto Iwanaga in einer Studie herausgefunden haben. Demnach scheinen Lieder, die einem die Tränen in die Augen treiben, auf eine die Seele reinigende Wirkung zu haben, uns zu beruhigen und sogar ein Wohlgefühl zu bescheren.

„Tränenschwere Lieder gegen tränen schwere Lieder“ – dieser Mission hat sich das Calmus Ensemble in seinem aktuellen Programm „Liebesleid“ verschrieben. Zum Sonntagsabendkonzert der 52. Lauterbacher Pfingstmusiktage kam das vielfach preisgekrönte Leipziger Vokalquintett zum allerersten Mal zu einem Auftritt in der Stadtkirche. Vor ausverkauftem Haus zeigte sich das „Calmus Ensemble“ bei seinem Ansingen gegen den Liebeskummer gewohnt stil- und epochenübergreifend, immer zwischen Barock und zeitgenössischer Musik, wobei Zwischentopps bei der deutschen Romantik und dem Volkslied der britischen Inseln eingebaut waren.

Ein gewisses Maß an A-cappella-Sound, wie man ihn insbesondere von der populären Musikgruppe „Die Prinzen“ kennt, war dabei nicht zu überhören, zumal die Gründer generation des 1999 gegründeten „Calmus Ensemble“ der gleichen musikalischen Tradition entstammt: dem weltberühmten Leipziger Thomanerchor.

Mit einem kräftigen Schuss Melancholie gewürzt bildete die hymnische Reue der gescheiterten Partnerschaft, Tom Odells „Another Love“ im auf das Ensemble maßgeschneiderten Arrangement von Juan M. V. Garcia, den Auftakt.

Rührselige Liebesromantik aus dem 19. Jahrhundert hatten „Da unten im Tale“ und „In stiller Nacht“ von Johannes Brahms zu bieten und auch in „John Anderson“ von Robert Schumann wurde die Sehnsucht nach der verflossenen Liebe geschürt.

Die drei der fünf „Five Traditional Songs“ von John Rutter stellten schließlich unter Beweis, dass man auch in der heutigen Zeit noch romantische Drücker auf die Tränendrüsen verfassen kann. Ein klein wenig Witz dabei war auch bei Rutters „Dashing away with the smoothing iron“. Denn da war das Ohr Zeuge dabei, wie die Angebetete ihre Wäsche wäscht, sie mit flottem Schwung mit dem Bügeleisen bügelt und schließlich ins frisch hergerichtete hübsche Kleid schlüpft.

Vom Chor der Kirche mitten unter die Zuschauer mischten sich Elisabeth Mücksch (Sopran), Johanna Gröhn-Veit (Alt), Friedrich Bracks (Tenor), Jonathan Müller-Saretz (Bariton) und Michael B. Gernert (Bass) beim auf den Leib geschneiderten „Nightingale Sang in Berkeley Square“ von Manning Sherwin.

Eine Liebesgeschichte mit Fortsetzung hatten die beiden Stücke „Swans“ von und „I love my love“ aus den „Six Choral Folksongs“ von Gustav Holst zu bieten. Zwischendurch gab es die bewegte Anklage des Liebenden im Madrigal „Lasso, perche mi fuggi“ von Johann Grabbe aus der Renaissance und das zeitgenössische Bekenntnis, vor lauter Liebe verrückt zu werden, mit „Je deviens fou“ von Gordon Kampe.

Auch in der Sprache, die den längsten Ortsnamen der Welt hervorgebracht hat, wird die unerfüllte Liebe besungen. Das zeigte das „Calmus Ensemble“ mit der walisischen Volksweise „Tra bo dau“.

Aus hiesigen Landen, aus dem Odenwald, soll hingegen „Schönster Schatz mein Augentrost“ stammen, in welchem schmalzig die versaute Treue und das schwer gewordene Herz beklagt wurden. Schön-schaurig wirkte auch das Volkslied „Ich habe die Nacht“.

Dagegen hat sich Georg Kreisler in seinem Stück „Alles nicht wahr“ eher einen Spaß daraus gemacht, die Liebesbeteuerung ebenso entlarven wie diejenige des Zahnarztes, kein Honorar zu fordern oder die Geschichte vom selbst in Ei legenden Küken. Und vielleicht ist es am Ende besser, nur eine imaginäre Freundin zu haben, wie jene von Kreisler wortreich in Szene gesetzte „Barbara“.

Georgs Namensvetter Fritz Kreisler hatte da schon lange zuvor in feinster Wiener Sentimentalität das namensgebende „Liebesleid“ beklagt. Die bekannte Ballade „Es waren zwei Königskinder“ erzählte auch von ebensolchem, das in diesem Fall tragisch endet.

Im sanften melancholischen Stil von Kate Rusby zur Geltung. Manche mögen es ob seiner Popularität schon zu abgedroschen halten, aber „Hallelujah“ von Leonard Cohen will man trotzdem immer wieder hören, so auch zum Abschluss des Konzerts. Als Zugabe brachte das Ensemble nach dem stürmischen Applaus mit dem „Nachtlied“ von Thomas M. J. Schäfer eines seiner erklärten Lieblingsstücke. Und zur Mission des „Calmus Ensemble“, tränenschwere Lieder gegen tränen schwere Lieder, konnte man am Ende mehr als deutlich feststellen: Erfüllt!

Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "So schön kann „Liebesleid“ klingen", 26.05.2026