Unverkrampft und ausdrucksstark

Lauterbacher Anzeige: Unverkrampft und ausdrucksstark - 26.05.2015
Rosalie Schüler , Magdalena Bauer , Antonia Bieker , Marie Tetzlaff , <br/> Karen Tessmer und Madeleine Röhl (von links) sind das Ensemble LaCappella. Foto: Günkel

Unverkrampft und ausdrucksstark

Von Martin G. Günkel

EMOTION Vokalensemble LaCappella gastierte in der Lauterbacher Stadtkirche

LAUTERBACH. So genannte Neue Musik muss nicht immer schwer zugänglich sein. Unter anderem das zeigte das Vokalensemble LaCappella bei seinem Konzert in der Lauterbacher Stadtkirche im Rahmen der Lauterbacher Pfingstmusiktage. Neuere Kompositionen ergaben gemeinsam mit Volksliedern aus verschiedenen Ländern ein stimmiges Ganzes. Ebenso stimmig waren die Interpretationen der sechs Sängerinnen. Ihr unverkrampfter Gesang begeisterte.

Das Ensemble besteht aus Magdalena Bauer, Antonia Bieker, Madeleine Röhl, Karen Tessmer, Rosalie Schüler und Marie Tetzlaff. Vor einem Jahr hatte am Samstagabend des Festivals das Mutare Ensemble ein Werk Gerhard Müller-Hornbachs aufgeführt – eine Musik weit jenseits aller Vorstellungen von Tonalität. LaCappella präsentierte nun eine ganz andere Seite der zeitgenössischen Musik.

Das Eingangsstück war „Velkomne med æra“ von Geirr Tveitt (1908 bis 1981). Das Stück beginnt einstimmig, um dann in eine moderne, aber eingängige Harmonik überzugehen. Diese Harmonik gibt dem Stück etwas Schwebendes. Das Jahrhunderte früher entstandene „O vos omnes“ von Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) hatte auch so einen schwebenden Effekt. Das Stück basiert auf einem Klagelied des Jeremias. Es ist sehr melancholisch, Schmerz wird mit ganz ruhiger Musik ausgedrückt. Der Komponist Wolfgang Drescher hat seine Komposition „Lux aeterna“ eigens für LaCappella geschrieben. Diese Musik ist sehr feierlich. In einigen Momenten kochen die Emotionen hoch, was die Sängerinnen mit einigen schönen Übergängen abbildeten. Recht komplexe Strukturen hat „Assumpta est Maria“ von Vytautas Miškinis (geboren 1954). Doch auch diese Strukturen setzten die Damen – wie alles andere – einfühlsam und klar zugleich um. Einige musikalische Dialoge in diesem Stück gestalteten sie mit besonders feinen Abstufungen der Lautstärke. Ein Volkslied aus Nordamerika ist „I Am A Poor Wayfaring Stranger“. Darin geht es um den Tod. Dementsprechend verhalten und düster ließen die Sängerinnen es klingen. Ganz a cappella war das Stück nicht, sondern Marie Tetzlaff griff hierfür zu einer (singenden) Oboe. Während des ganzen Konzerts wählten die Sängerinnen passend zu den unterschiedlichen Stücken verschiedene Aufstellungen. Mal standen sie dicht beieinander, mal auf den gesamten Altarraum der Stadtkirche verteilt.

Bei „Wayfaring Stranger“ kam im Übrigen noch ein weiterer Effekt hinzu: Drei der Sängerinnen drehten sich für einige Momente mit dem Rücken zum Publikum. Dadurch erreichten sie einen Klang, der etwas matter war, als wenn die Stimmen direkt zum Publikum strahlten. Wenn die Oboe hervortrat und die anderen Ensemblemitglieder sie nur mit leisen Harmonien auf „Uhh“ begleiteten, war das ebenfalls ein starker Moment.

Später tat das Ensemble das gleiche noch einmal bei einem nordischen Volkslied mit dem Titel „Eg veit i himmerik ei borg“. Dabei war der Klangteppich, den die Sängerinnen unter das Oboensolo legten, fast nicht zu hören und entfaltete gerade dadurch seine Wirkung. Außer „Morgengesang“ von Simon Wawer (geboren 1978) und „Shimmering“ von Ola Gjeilo (geboren 1978) hatten die Sängerinnen noch „Les Angélus“ von Claude Debussy in den geistlichen Teil des Programms aufgenommen.

Der zweite Teil beinhaltete weltliche Lieder. Neben Volksliedern spielten auch hier Stücke von zum Teil noch lebenden Komponisten eine große Rolle. Bei „Fear Thou Not“ von Mårten Jansson wurde das Farbspektrum des Vokalsextetts noch einmal besonders deutlich. Die Ausgangsbasis war ein sehr dunkler Klang, passend zu der melancholischen und beinahe statisch wirkenden Musik. Von da aus steigerte sich die Musik in helle, kräftige Klänge hinein, wobei der Übergang erneut intensiv und auch höchst natürlich wirkte. Schön war auch, wie dunkle Melodiestimmen vor einer leisen, hellen, gläsern klingenden Klangkulisse zu hören waren. Das deutsche Volkslied „Es saß ein klein wild Vögelein“ hat Magdalena Bauer von LaCappella gemeinsam mit Morten Vinther von der Real Group arrangiert. Das abschließende „Shower the People“ von Juan M. V. Garcia war ebenso emotional wie bewegt und locker.

Für den zu Recht herzlichen Beifall bedankten sich die Sängerinnen mit einem Brautmarsch als Zugabe.

Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "Unverkrampft und ausdrucksstark", Link zur Quelle, 26.05.2015

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